Bremsflüssigkeitswechselgerät

Kurz vorweg: Arbeiten an sicherheitsrelevanten Bauteilen, auch und gerade am Auto, sollte man nur durchführen, wenn man wirklich genau weiß, was man tut!

Bremsflüssigkeit im Auto sollte wegen der hygroskopischen Eigenschaften nach 2 Jahren Einsatz gewechselt werden, um die Bremsleistung konstant zu halten, sogenanntes Fading zu verhindern.

Während man früher einen Helfer mit dem Bremspedal die neue Flüssigkeit durch das Leitungssystem pumpen lies, ist das in Zeiten von ABS und anderen modernen Bremssystemen nicht mehr empfehlenswert, von der Gefahr der Zerstörung der Dichtringe des Hauptbremszylinders durch Ablagerungen gar nicht zu reden.  Im Falle meines VW Golf IV durch den Hersteller so auch gar nicht mehr vorgesehen.

Für den professionellen Einsatz gibt es Bremsflüssigkeitswechselgeräte, die mittels elektrischer oder pneumatischer Pumpe bzw. einfach durch Druckluft die Flüssigkeit fördern. Für den Privatgebrauch preislich jedoch jenseits von gut und böse.

Interessant erschien mir das Eezibleed-System, welches für etwa 30 € zu haben ist. Eine Kunststoffflasche, die mit frischer Bremsflüssigkeit gefüllt wird und dann durch Druckluft unter Druck gesetzt wird. Berichten zufolge, ist die Verarbeitung allerdings keine Offenbarung. Weiter ist das Volumen mit nur 500 ml eher zu gering, mein Golf hat eine Wechselmenge von etwa 1,25 Liter.

Nach relativ langer Recherche habe ich irgendwann Google mit dem englischen Begriff “brake bleeder” gefüttert. Und siehe da, in der Bildersuche fand sich ein Selbstbaugerät, welches meinen Vorstellungen entsprach.

Das Grundprinzip habe ich übernommen, jedoch im Rahmen der künstlerischen Freiheit leichte Änderungen vorgenommen, weil ich den Drucksprüher nicht anbohren wollte.

20140415_175349Basis ist ein Drucksprüher, ich habe mich für ein Gerät der Firma Gloria mit 3 Liter Füllvolumen entschieden. Der Behälter besteht aus PE und auch die Dichtungen sollten gegenüber der Bremsflüssigkeit ausreichend beständig sein. Im Notfall ist ein Dichtungssatz als Ersatzteil erhältlich.

20140415_175407Die Sprühlanze habe ich entfernt, und eine Druckluftkupplung für 7,2 mm Stecknippel montiert.

Das Gegenstück zum Bremsflüssigkeitsbehälter bildet ein modifizierter Deckel aus dem Polo 6 N. Dieser sollte nach meiner Recherche auf alle Fahrzeuge des VW-Konzerns passen.

Nachfolgend in der Galerie, die Schritte zur Modifizierung des Deckels:

20140415_180003Der Deckel wird auch mit einem Manometer versehen, um den anliegenden Druck kontrollieren zu können. Über den Stecknippel wird später die Verbindung zum Druckbehälter hergestellt.

Es empfiehlt sich, den Deckel im Auflagebereich der Dichtung einzuebnen (Beschriftung wegschleifen). Weiter sollte man den Druck auf die Dichtung durch eine große Unterlegscheibe erhöhen. Erste Versuche ohne die beiden Maßnahmen waren nicht erfolgreich. Das nebenstehende Bild, zeigt den Deckel noch ohne Unterlegscheibe.

20140416_134124Der fertige Deckel kann dann so aussehen:

Nachfolgend noch eine kurze Auflistung der verwendeten Teile:

  • Gloria Prima 3
  • Deckel VW-Teilenummer 6N1 611 319 B
  • Dichtung 3/4″ (Baumarkt, Sanitärabteilung)
  • Manometer G1/4, 2,5 bar; Rieger Artikel 114 K
  • Doppelgewindenippel G1/4; Rieger Artikel 252.01
  • Muffe G1/4, Rieger Artikel 252.22
  • T-Stück G1/4, Rieger Artikel 254.34
  • Nippel 7,2 mm G1/4, Rieger Artikel 243.50
  • Druckluftschlauchkupplung 7,2 mm für Schlauch 6 mm, Rieger Artikel 243.44
  • Einohrschlauchklemme mit Einlagering, Spannbereich 8,2 bis 9,5 mm

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